Rundbrief Bürgerbeteiligung II/1999
Wie lebt es sich wirklich im Sparrplatz-/Sprengelkiez? (1/2)
Das Quartiersmanagement Sparrplatz in Berlin-Wedding führte 350 Gespräche mit BewohnerInnen als ExpertInnen »ihres« Kiezes im Rahmen einer »aktivierenden Befragung«
von Brigitte Waschulewski und Hans-Georg Rennert
Quartiersmanagement
ist ein neues Programm des Senats von Berlin zur Verbesserung der Lebensqualität und des Zusammenlebens in 15 Gebieten in Berlin. Im »Gebiet Sparrplatz« sind das SPI und das Kommunale Forum Wedding e.V. mit dem Quartiersmanagement beauftragt. Quartiersmanagement soll mehr BewohnerInnen ermutigen, für sich und den Kiez aktiv zu werden und soll helfen, maßgeschneiderte Projekte zu entwickeln, die dem örtlichen Bedarf entsprechen und auf den Potentialen im Stadtteil beruhen. Ein wichtiger Arbeitsschritt im Rahmen dieser Aufgaben war eine »aktivierende Befragung« im Gebiet.
Zur Methode »aktivierende Befragung«
Eine »aktivierende Befragung« (in der Fachliteratur auch »Aktionsuntersuchung« genannt) zielt auf die Verbesserung der Lebenssituation der Bewohner/innen eines Gemeinwesens ab. Der Prozeß der Veränderung der Lebenssituation orientiert sich ausdrücklich an den Bedarfen und Bedürfnissen der BewohnerInnen. Dabei nehmen diese eine aktive Rolle der Mitgestaltung, Mitwirkung ein. Die »aktivierende Befragung« entspricht keinesfalls einer »empirischen Befragung«, die zur Anfertigung einer Statistik dient. »Das Hauptziel einer Aktionsuntersuchung ist die Veränderung der Situation im Gemeinwesen im Sinne der dort lebenden und betroffenen Bürger durch deren Aktion.« (HINTE, Wolfgang / KARAS, Fritz, Studienbuch der Gruppen- und Gemeinwesenarbeit, Luchterhand Verlag, Neuwied und Frankfurt am Main:1989, S.47) Es werden bei der »aktivierenden Befragung« Gespräche geführt, die auf einem offenen Fragesystem basieren. Das offene Fragen ist dabei von besonderer Bedeutung. Die Befragenden verhalten sich während des Gesprächs zurückhaltend und vertreten die Position der »Unwissenden« und »Interessierten«. Die Befragten sollten in keine vorgegebene Richtung gedrängt werden. Im Laufe der Gespräche erfahren die Befragenden auf diese Art und Weise Informationen, die durch einen detaillierten Fragebogen nie ermittelt hätten werden können.
Die »aktivierende Befragung« im Sparrplatz-/ Sprengelkiez
Die »aktivierende Befragung« wurde durchgeführt, um mit möglichst vielen BewohnerInnen im Sparrplatz-/ Sprengelkiez ins Gespräch zu kommen und ihre Meinung über »ihren« Kiez zu hören. Über die Befragung sollte zudem ein erster Schritt zur Aktivierung gemacht werden. So wurde erfragt, ob der/die befragte Bewohner/in bereit ist, sich persönlich einzubringen und zu beteiligen, um die Lebenssituation im Kiez zu verbessern. Außerdem wurde versucht in Erfahrung zu bringen, unter welchen Bedingungen sich die Befragten eine Mitwirkung vorstellen könnten.
Unter dem Motto »Im Kiez tut sich was – Sie sind gefragt!« wurden folgende Fragen gestellt: Wie lebt es sich im Sparrplatz-/ Sprengelkiez? Was gefällt den BewohnerInnen im Kiez, was gefällt ihnen nicht? Was gibt es für Vorschläge und Ideen, den Kiez l(i)ebenswerter zu gestalten, die Situation im Kiez zu verbessern? Inwieweit sind die BewohnerInnen bereit, dabei selbst aktiv mitzuwirken, mitzugestalten?
Daneben war die »aktivierende Befragung« eine Möglichkeit, BewohnerInnen den Ansatz des »Quartiersmanagement« vorzustellen und näher zu erläutern. Außerdem bot sich die Gelegenheit, das Team vom Quartiersmanagement persönlich kennenzulernen bzw. sich als Quartiersmanager persönlich vorzustellen.
Weitere Artikel in diesem Rundbrief:
Theorie und Praxis
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Der Stadtteil als Bezugsgröße für einen neuen Umgang mit der Stadt – Stadtteilforen in Tübingen - Dr. Magdalena Kaiser/Dr. Werner Heye/Dr. Matthias Dreyer
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Demokratie – ein Prozeß, der Zeit braucht
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Projektberichte
- Richard Häusler
Qualifizierung von Agenda-Moderatoren - Michael Weiß/Sabine Hartmann
Zukunftskonferenz Müllerstraße - Brigitte Wachulewski/Hans-Georg Rennert
Wie lebt es sich wirklich im Sparrplatz-/Sprengelkiez? - Andy Dino Iussa
ArbeitslosenWalzer – Ein kunstpolitisches Projekt in Wuppertal - »Stadtmeile« – ein intermediäres Projekt zur nachhaltigen Stadtentwicklung in Leipzig Südost
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