Rundbrief Bürgerbeteiligung II/1999
Qualifizierung von Agenda-Moderatoren (1/3)
von Richard Häusler
Die Zahl lokaler Agenda-Prozesse in Deutschland nimmt ständig zu. Die jüngste Zählung ergibt bereits über 1.300 Agenda-Kommunen. Dementsprechend steigt der Bedarf an Moderatoren, denn viele Kommunen, die einen Agenda-Prozeß in Gang setzen wollen, wissen, daß sie ohne externe Moderatoren ein hohes Mißerfolgsrisiko eingehen. Der steigenden Nachfrage steht indes nicht ohne weiteres ein entsprechendes Angebot gegenüber. Die Zahl qualifizierter Agenda-Moderatoren ist viel zu gering. Zwar bringen verschiedene Berufsgruppen Ausbildung und Erfahrung in Moderationstechnik mit, doch fehlt die spezifische Verknüpfung mit der lokalen Agenda 21. Die Moderationstechnik allein macht noch keinen Agenda-Moderator aus. Agenda-Moderatoren müssen Kompetenz als Prozeßbegleiter mitbringen, um als Berater für die ganze lokale Agenda 21 fungieren zu können. Dazu brauchen Sie spezifisches Organisationswissen. Ihre Funktion als Prozeßbegleiter schließt außerdem Verantwortlichkeiten für die Öffentlichkeitsarbeit mit ein. Obwohl ein Agenda-Moderator kein Expertenwissen zu den verschiedenen Themenbereichen haben muß, mit denen sich Agenda-Gruppen und -projekte befassen, benötigt er unbedingt ein fundiertes Hintergrundwissen über die (lokale) Agenda 21. Vor diesem Hintergrund beauftragte die Deutsche Bundesstiftung Umwelt den Bundesverband TU WAS e.V., ein Lehrgangskonzept für die Qualifizierung von Agenda-Moderatoren zu entwickeln.
Arbeitsgrundlage als Buch erschienen
Dieses Konzept liegt nunmehr vor. Es ist auch bereits in zwei Pilotlehrgängen mit insgesamt 30 Teilnehmern erprobt worden. Als Arbeitsgrundlage für die Lehrgangsteilnehmer diente ein Buch, das unter dem Titel »Lokale Agenda 21 – Zukunft braucht Beteiligung« im Verlag des Wissenschaftsladens Bonn erschienen ist. Es wurde eigens für die Qualifikation von Agenda-Moderatoren verfaßt und ist auch für Nicht-Lehrgangsteilnehmer aufschlußreich. Dagegen liegt die Dokumentation der Pilotlehrgänge selbst erst in einer Form vor, wie sie für die Lehrgangsteilnehmer zur Nacharbeit erstellt wurde. Daraus soll jedoch ebenfalls ein für alle Interessierten nutzbares Methodenhandbuch gemacht werden.
Die Lehrgänge waren in vier Blöcken organisiert – entweder 4 x 2 Tage oder 4 Wochenenden (Freitagabend bis Sonntagmittag). Die Themengliederung des Lehrgangs sieht so aus:
- Qualifikationsprofil des Agenda-Moderators
- Grundlagen der Kommunikation
- Basiselemente der Moderatorenrolle
- Moderationstechniken
- Visualisierung
- Feedback-Methoden
- Phasenstruktur und Gruppenprozesse in der Moderation
- Organisation und Methodik von Zukunftswerkstätten, Zukunftskonferenzen, Open Space Seminaren, Planungszellen
- Konfliktbewältigung und Mediation
- Öffentlichkeitsarbeit
- Journalistisches Texten und Gestalten
- Politische Rahmenbedingungen der lokalen Agenda 21
- Handlungsfelder im Agenda-Prozeß
- Indikatoren für »nachhaltige Entwicklung«
- Leitbild-Entwicklung
- Organisationsmuster der lokalen Agenda 21.
Inhaltliche Themen (Punkt 12–16) und methodische Themen (Punkt 1–11) wurden soweit als möglich miteinander verschränkt. Zu allen Punkten wurden praktische Übungen angeboten.
Derzeit steht noch nicht fest, ob der Lehrgang in der nächsten Zeit als Ganzes noch einmal angeboten werden kann, oder ob es nicht dabei bleibt, daß wir auf Anfrage Teile des Lehrgangs bedarfsgerecht zur Schulung einsetzen. Solche Einzelschulungen dauern zwischen 1 und 6 Tagen, je nach Auftrag.
Die folgenden Bemerkungen sollen unseren Qualifikationsansatz etwas näher beleuchten.
Weitere Artikel in diesem Rundbrief:
Theorie und Praxis
- U. Schwarz-Österreicher
Der Stadtteil als Bezugsgröße für einen neuen Umgang mit der Stadt – Stadtteilforen in Tübingen - Dr. Magdalena Kaiser/Dr. Werner Heye/Dr. Matthias Dreyer
Rahmenkonzept zur »Demokratischen Teilhabe« der Landeshauptstadt Hannover - Gisela Enders
Kinder ernst nehmen, bedeutet sich Zeit nehmen - Kerstin Ögren
Demokratie – ein Prozeß, der Zeit braucht
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Projektberichte
- Richard Häusler
Qualifizierung von Agenda-Moderatoren - Michael Weiß/Sabine Hartmann
Zukunftskonferenz Müllerstraße - Brigitte Wachulewski/Hans-Georg Rennert
Wie lebt es sich wirklich im Sparrplatz-/Sprengelkiez? - Andy Dino Iussa
ArbeitslosenWalzer – Ein kunstpolitisches Projekt in Wuppertal - »Stadtmeile« – ein intermediäres Projekt zur nachhaltigen Stadtentwicklung in Leipzig Südost
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