Logo Stiftung MITARBET
Stiftung MITARBEIT
Bornheimer Str. 37
53111 Bonn

Tel.: (02 28) 6 04 24-0
Fax: (02 28) 6 04 24-22
E-Mail: info@mitarbeit.de

www.mitarbeit.de
www.buergergesellschaft.de

Rundbrief Bürgerbeteiligung II/1999

Demokratie – ein Prozeß, der Zeit braucht (2/2)

Ohne zunächst untereinander zu diskutieren und sich klar zu machen, warum und wie sie den Jugendlichen begegnen sollen, entscheiden sie sich, mit zwei Projekten zu starten. Die Zeit geht vorüber und keiner übernimmt richtig Verantwortung für die Projekte. Man übergibt seine eigene Verantwortung an den Schülerombudsmann und an die Prozeßleitung.
In Väster†s sind die Gruppenmitglieder zu Beginn sehr vorsichtig. Sie wagen noch nicht, über sich selbst zu reden, sondern sprechen meist über andere, wie Politiker sind, was Jugendliche können und nicht können, was sie glauben, was Jugendliche benötigen usw., usw. Aber schon während des ersten Treffens zeigt einer der Teilnehmer großes Engagement für das Projekt und zeigt gleichzeitig seine Angst davor, mit den Jugendlichen zu sprechen. Beim zweiten Treffen entsteht eine Spannung zwischen denjenigen, die die Kommunikation verändern wollen und eine mehr gleichberechtigte Beziehung zu den Jugendlichen herstellen wollen, und denjenigen, die in der »sicheren intellektuellen Meinungsmaschinerie« bleiben wollen, die nicht zu Veränderung führt, weil sie sie nicht betrifft.

Beim dritten Treffen werden die Spannungen deutlich und man wagt, den Konflikt auszutragen. Mehrere in der Gruppe nehmen den Prozeß ernst und kämpfen dafür, daß die anderen die Bedeutung erkennen, die Arbeit auf eine neue Art und Weise durchzuführen. Mehrere drücken aus, daß dieser Prozeß für sie schmerzhaft ist. Es zeigt sich, daß eine wirkliche Veränderung stattfindet.

Keine Veränderung in der Tiefe geht ohne Schmerz. Man muß hier etwas verlassen, an das man sich gewöhnt hat, in diesem Falle an den Abstand der repräsentativen Demokratie zu den Menschen. Sie müssen wagen, sich den Menschen zu nähern ohne den Abstand, den Strukturen und Methoden geben, nur mit sich selbst in der direkten Demokratie.

Dieses geschieht nach vielen und schwierigen Gesprächen über die oben genannten Definitionen, bei denen man schrittweise der Notwendigkeit von direkter Demokratie bewußt wird. Nach den langen Gesprächen fiel es den meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmern leicht, Vorschläge für Projekte zu finden und zu entscheiden, mit wem man zusammenarbeiten will, wenn man hinausgeht und mit den Jugendlichen sprechen will.

Die Ursache dafür war, daß man während des Laufes des Prozesses von dem Stil der Kommunikation der repräsentativen Demokratie zum Stil der direkten Demokratie überging. Das heißt, man machte seine eigenen Stellungnahmen deutlich und übernahm Verantwortung für diese in einer gleichwertigen Beziehung. Was aus den sechs vorgeschlagenen Projekten in Väster†s wird, bleibt abzuwarten. Auch in Väster†s gibt es mehrere Gruppenmitglieder, die die Arbeit im Projekt nicht prioritieren, sondern eher mit halben Herzen dabei mitmachen. Dies wird sich sicherlich bei den Ergebnissen des Projektes bemerkbar machen.

Gemeinsam für die Beschlußfasser(innen) in Eskilstuna und Väster†s ist, daß die meisten hektisch leben. Sie haben volle Kalender und finden, daß die Arbeitstreffen sehr viel Zeit brauchen. Sie sind gewohnt, von einem Treffen zum nächsten Treffen zu eilen. Dies sind die Arbeitsbedingungen, die Beschlußfasserinnen und Beschlußfasser haben. Es gibt eigentlich keine Zeit für Gespräche, d.h. für direkte Demokratie. Die Beschlußfasser in Väster†s, die entschieden haben, ihre Projekte fortzusetzen, mußten deshalb diese Bedingungen verändern und sich Zeit nehmen, um den Jugendlichen Möglichkeit zum Einfluß auf die Erneuerung des Stadtkerns zu geben.

Der entscheidende Unterschied in den Resultaten der Prozeßarbeit in Eskilstuna und Väster†s ist die Abhängigkeit von Machtverhältnissen in der jeweiligen Gruppe. Dagegen konnten keine Geschlechtsunterschiede festgestellt werden.

Weitere Artikel in diesem Rundbrief:

Theorie und Praxis

Stiftung MITARBEIT · Bornheimer Str. 37 · D-53111 Bonn · Tel.: (0228) 6 04 24-0 · Fax: (0228) 6 04 24-22

Impressum · Sitemap · Presse · Kontakt · English Information