Rundbrief Bürgerbeteiligung I/1999
Bundeswettbewerb »Regionen der Zukunft« (2/2)
2. Ausgangsbedingungen und Projekte der Wettbewerbsteilnehmer
Die Schlüsselrolle, die der regionalen Dimension bei der Realisierung einer nachhaltigen Raum- und Siedlungsentwicklung offensichtlich zukommt, gilt unabhängig von der Frage, um welche regionalen Siedlungsstruktur- und Raumtypen es sich dabei handelt – ländliche, verstädterte oder Agglomerationsräume, dynamische oder strukturschwache, stärker industriell, landwirtschaftlich oder vom Dienstleistungssektor geprägte Regionen. Es liegt auf der Hand, daß aus den unterschiedlichen Ausgangssituationen und Handlungsbedingungen Unterschiede in der Ausrichtung und Schwerpunktsetzung der jeweiligen regionalen Agenden resultieren. Wie unterschiedlich die regionalen Ausgangsbedingungen im einzelnen aussehen können, veranschaulicht ausschnittsweise ein Vergleich einzelner zentraler Strukturmerkmale der 26 Wettbewerbsteilnehmer.
Tab.1: Ausgangsbedingungen in den 26 Wettbewerbsregionen
Trotz der augenfälligen Unterschiede deuten sich auch eine Reihe von Gemeinsamkeiten an, die zu dem Kern regionalspezifischer Handlungsspielräume einer nachhaltigen Regionalentwicklung in Deutschland führen.
Dazu gehört es, daß über unterschiedliche Raumtypen hinweg die regionale Planungsebene in der Bundesrepublik nicht nur einen Bedeutungsschub erhalten hat. Sie ist zudem um einiges vielfältiger geworden. Traditionell und administrativ wird die regionale Dimension der räumlichen Planung durch die staatliche Regionalplanung bestimmt. Mit strukturpolitischer und raumordnerischer Unterstützung entwickeln sich seit Anfang der neunziger Jahre weitere – prozessuale und konzeptionelle – regionale Planungsansätze. Sie differenzieren die regionale Planungsebene hinsichtlich ihrer Träger, Beteiligten, aber auch hinsichtlich der räumlichen Zuschnitte problemorientiert aus. Die Betonung liegt auf kooperativen und umsetzungsorientierten Prozessen, sowohl zwischen Kommunen als auch zwischen öffentlichen und privaten Akteuren. Begriffe wie »Regionalkonferenzen«, »regionale Entwicklungskonzepte« oder »interkommunale Kooperationen« stehen für diese regionalen Erneuerungen, die bundesweit zu beobachten sind – gleichwohl mit unterschiedlichen Ausprägungen von Land zu Land (vgl. eine Übersicht und Auswertung bei Görmar, Huege, Zarth 1998).
Jene kooperativen, problem- und umsetzungsorientierten Ansätze hatten zum Zeitpunkt der Auslobung des Wettbewerbs bereits ein gutes Stück der Wegstrecke zu einer nachhaltigen Entwicklung bereitet. Der Wettbewerb konnte darauf aufbauen und den Regionen für den weiteren Verlauf der Prozesse und für die Konzeptentwicklung zielgerichtet »Rückenwind« geben.
Auch bei den räumlichen Projekten läßt eine erste Übersicht der Arbeiten im Ideenwettbewerb vermuten, daß es grundsätzliche Gemeinsamkeiten bei den 26 Wettbewerbsteilnehmern gibt. So läßt sich das »Regionale« der Projekte durchweg mehreren, insbesondere drei Kategorien zuordnen.
Lokale Projekte
Die regionale Bedeutung resultiert daraus, daß sie den anderen Kommunen als Modellprojekte vermittelt werden oder als Bestandteile eines regionalen Gesamtkonzepts von den regionalen Gremien in mehreren Kommunen oder Betrieben gleichzeitig realisiert werden (z.B. Projekte im Baubereich, zur Innenentwicklung oder die Brachflächenrevitalisierung)
Teilregionale Projekte
Die Kategorie umfaßt Projekte, die über die arbeitsteilige Vernetzung mehrerer Einzelprojekte oder größere Einzelprojekte eine regionale Dimension erlangen (z.B. Projekte zur Kreislaufwirtschaft, Kulturprojekte, interkommunale Flächenpools oder Landschaftsparks)
Regionale Projekte
Diese Projekte erstrecken sich über die Gesamtregion (z.B. als Freiraumverbund- oder öffentliche Verkehrssysteme).
Im Laufe der Begleitung des Wettbewerbs wird diese noch sehr grobe und aus der ersten Übersicht gewonnene Kategorisierung genauer untersucht und weiterentwickelt. Zu prüfen ist auch noch, ob sich Schwerpunkte bei der Besetzung unterschiedlicher Projektkategorien abzeichnen, die z.B. auf raumstrukturelle Unterschiede zurückzuführen sind.
Soweit zu ersten Schlüssen, die aus den Ausgangsbedingungen und der Projektentwicklung in den deutschen Wettbewerbsregionen zu regionalen Unterschieden und Gemeinsamkeiten abgeleitet werden können. Für die Zukunft wird es auch spannend sein, solche Uterschiede und Gemeinsamkeiten europaweit kennenzulernen und zu diskutieren. Im Sinne des Voneinander-Lernens wird derzeit versucht, europäische Referenzregionen für die deutschen Wettbewerbsteilnehmer zu finden.
Literatur
Adam, Brigitte; Huege, Petra (Bearb.), 1998: Regionen der Zukunft. Regionale Agenden für eine nachhaltige Raum- und Siedlungsentwicklung. Wettbewerbszeitung Nr. 1. BBR (Hrsg.) Werkstatt: Praxis, Heft 7/1998
Görmar, Wilfried; Huege, Petra; Zarth, Michael (Bearb.), 1998: Regionalkonferenzen als neues Instrument der Raumordnung. Eine Dokumentation der bisherigen Erfahrungen. BBR (Hrsg.) Werkstatt: Praxis, Heft 5/1998
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