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Rundbrief Bürgerbeteiligung I/1999

Erwerbsarbeit – Bürgerschaftliches Engagement – Eigenarbeit: Das Münchner Modell (3/3)

Mißverständnisse und Präzisierungen

  • Bürgerschaftliches Engagement findet nicht nur im sozialen Bereich statt, es umfaßt auch ökologische und kulturelle Tätigkeitsfelder.
  • Bürgerschaftliches Engagement und Eigenarbeit sind kein Ersatz für Erwerbsarbeit. Die Schaffung von wertschöpfender und sinnstiftender Erwerbsarbeit für Männer und Frauen, die das Leben der Menschen sichert, bleibt die wichtigste Aufgabe unserer Zeit.
  • Bürgerschaftliches Engagement und Eigenarbeit sind kein Beschäftigungsprogramm für Arbeitslose, die nun in Tätigkeitsfelder jenseits der Erwerbsarbeit abgeschoben werden.
  • Bürgerschaftliches Engagement ist nicht umsonst zu haben. Die traditionellen Belohnungsmodelle entsprechen nicht mehr den veränderten gesellschaftlichen Anforderungen. Menschen, die sich für die Gesellschaft einsetzen, müssen (bspw. steuerlich) begünstigt oder entlastet werden.
  • Bürgerschaftliches Engagement ersetzt nicht die Arbeit von Experten und Professionellen. Es geht nicht um weniger Sozialpolitik, sondern um eine andere Sozialpolitik, nämlich eine Sozialpolitik, die mit allen Akteuren im Arbeitsmarktgeschehen kooperiert, die Aktivitätspotentiale der Menschen fördert und Gestaltungsräume schafft.
  • Bürgerschaftliches Engagement ist kein Freizeitvergnügen – aber auch keine Arbeit im üblichen Sinne, sondern Übernahme von Verantwortung für die Gemeinschaft und eine Zeitspende an die Gesellschaft. Deshalb dürfen die sozialen Sicherungen nicht entfallen.


Das Münchner Modell ist keine Patentlösung
Das Münchner Modell basiert auf der Einsicht, daß eine nationale Arbeitsmarktpolitik im Gesamtgefüge globaler Märkte nur noch geringe Einflußmöglichkeiten hat. Demgegenüber ist aber die lokale Ebene im sozialen Nahbereich dann gestaltbar, wenn alle arbeitsmarktrelevanten Institutionen vor Ort zusammenwirken.
Das Münchner Modell ist ein konkreter Vorschlag, die flexible Kombination unterschiedlicher Tätigkeitsfelder und die Gestaltung von verschiedenen Zeitsegmenten zu institutionalisieren und damit den Übergang von einer Erwerbsgesellschaft in eine Tätigkeitsgesellschaft zu erleichtern. Auf diese Weise kann es gelingen, das alte, »eherne Gehäuse« der Erwerbsarbeit und die starre industrielle Zeitordnung aufzubrechen.
Das Münchner Modell nutzt die Erfahrung, daß ein »Sich-Bilden« in allen Lebensbereichen und Altersstufen möglich ist und daß deshalb auch ein Wissenstransfer zwischen den gesellschaftlichen Arbeitsfeldern stattfinden kann. Bildungs-Zeiten werden in- und außerhalb der Erwerbs-Zeiten ermöglicht. Mitarbeiter entwickeln sich zu begehrten Kompetenzträgern.
Das Münchner Modell fördert einen Bewußtseinswandel: unterschiedliche Formen des Arbeitens erhalten neue Wertigkeiten und Zeitsegmente werden gestaltbar. Die Kombination von Tätigkeiten in und außerhalb der Erwerbsarbeit trägt zivilgesellschaftliche Dimensionen in die Erwerbsarbeit hinein. Der Wirtschaftsmensch wird in die Lage versetzt, in der Sphäre seiner Lebenswelt als sozial engagierter, ökologisch verantwortlicher und kulturell kompetenter Bürger aufzutreten und bislang verborgene Fähigkeiten zu entfalten.

Das Münchner Modell skizziert eine Möglichkeit, die einseitige Erwerbsgesellschaft in eine vielseitige Tätigkeitsgesellschaft zu transformieren.

Kontakt und Information:
Münchner Projektgruppe für Sozialforschung
Zukunft der Arbeit • Gerd Mutz
Dachauer Straße 189 • D-80637 MÜNCHEN • Telefon (0 89) 15 98 05 37 • Telefon (0 89) 39 83 65 • Telefax (0 89) 34 02 02 07 • Telefax (0 40) 36 03 02 89 26 • E-Mail:
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