Rundbrief Bürgerbeteiligung I/2001
Prozessmanagement in der Quartiersentwicklung (1/3)
von Simone Eberhardt und Torsten Witte
Das Thema Quartiersentwicklung steht in den letzten beiden Jahren in zahlreichen Publikationen, Tagungen und Seminaren im Mittelpunkt. Das Bund-Länder-Programm »Soziale Stadt« ermöglicht vielen Städten, neue Ansätze in der Stadtteilarbeit auszuprobieren. Kernstück ist oftmals ein so genanntes Quartiersmanagement, das die verschiedenen Ansätze im sozialen, wirtschaftsfördernden, baulichen und anderen Bereichen koordinieren soll. Wie gehen diese Quartiersmanager mit dieser komplexen Aufgabe um? Welche Strategien haben sich als erfolgreich erwiesen und unter welchen Umständen?
Dieser Fragestellung gingen Simone Eberhardt und Torsten Witte in ihrer Diplomarbeit am Fachbereich Landschafts- und Freiraumplanung der Universität Hannover nach. Sie nutzten dabei neben dem KnowHow des eigenen Fachbereiches die Beratung durch einen Mitarbeiter am Fachbereich für Wirtschaftswissenschaften, um die Erfahrungen aus dem wirtschaftlichen Bereich mit Prozessmanagement einfließen zu lassen.
Der folgende Text ist eine Kurzfassung der Arbeit, die bei der u.g. Adresse bestellt werden kann.
Kontext und Anlass
Armut ist wieder ein Thema in europäischen Großstädten. Die soziale Ausgrenzung nimmt in den letzten Jahren wieder zu (vgl. Häußermann 2000: 15). Verschiedene Bevölkerungsgruppen geraten an den Rand der Gesellschaft und haben kaum eine Aussicht auf Reintegration. Die wachsende ökonomische und soziale Ungleichheit führt u.a. auf Grund veränderter politischer Steuerungsmechanismen zu einer räumlichen Konzentration benachteiligter Bevölkerungsgruppen in einzelnen Stadtvierteln.
In den letzten zehn Jahren werden diese »neuen Strukturen sozialer Ungleichheit” (ebd.: 13) verstärkt als gesellschaftliches Problem diskutiert. Verschiedene Bundesländer und Großstädte erarbeiteten eigene Konzepte (z.B. »Stadtteile mit besonderem Erneuerungsbedarf« in Nordrhein-Westfalen, »Armutsbekämpfungsprogramm« in Hamburg), um der wachsenden Benachteiligung einzelner Bevölkerungsgruppen hinsichtlich ihrer ökonomischen, sozialen und kulturellen Teilhabe am gesellschaftlichen Leben entgegenzuwirken. Im Herbst 1999 verabschiedete die Bundesregierung in Zusammenarbeit mit den Ländervertretungen ein Bund-Länder-Programm »Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf – Die soziale Stadt« (vgl. Difu 2000b).
Das »Neue« an diesen Konzepten und Programmen ist die ganzheitliche Aufwertungsstrategie, die anhand integrierter Handlungskonzepte umgesetzt werden soll. Der Situation der benachteiligten Quartiere soll nicht mehr nur mit baulicher Sanierung begegnet werden. Die sozialen, kulturellen und ökonomischen Aspekte der Benachteiligung sollen mit berücksichtigt werden, um so eine nachhaltige Verbesserung der Lebenssituation der Bewohner zu erreichen (vgl. VV Städtebauförderung 1999: Präambel).
Im Rahmen dieser integrierten Handlungsstrategie wird oft ein Quartiersmanagement als Instrument eingesetzt.
Was verbirgt sich hinter dem Begriff des Quartiersmanagements?
Der Begriff des Managements wurde aus dem betriebswirtschaftlichen Bereich übernommen. Dort bedeutet er Steuerung mittels Formulierung von Zielen und Aufgaben, Überprüfung der Umsetzung hinsichtlich der Zielerreichung und Interventionen im Falle von Abweichungen. Wenn man dies auf den Prozess einer Quartiersentwicklung bezieht, was kann Management dann bedeuten?
Diese Frage stellt den Fokus der Arbeit dar. Es geht weniger um das »Was«, sondern um das »Wie«. Es werden nicht die einzelnen Aktivitäten, die z.B. zur Verbesserung der ökonomischen Situation der QuartiersbewohnerInnen hilfreich sein können, diskutiert. Vielmehr geht es um die Art der Vorgehensweise (die gleichwohl u.a. von dem »Was« bestimmt wird).
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