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Rundbrief Bürgerbeteiligung I/2001

»Planspiel Kommunalpolitik« – Ein Projekt zur Demokratievermittlung für junge Menschen (3/3)

Das Planspiel traf bei allen Beteiligten – sowohl bei den SchülerInnen als auch bei der Politik – weitgehend auf sehr positive Resonanz. In einem Reflexionsgespräch mit den TeilnehmerInnen des Planspiels wurde deutlich, dass dies ein geeigneter Ansatz zur Demokratievermittlung in Schulen ist. Das »Planspiel Kommunalpolitik« bietet mit seinen verschiedenen Anknüpfungspunkten SchülerInnen die Möglichkeit zu einem vertiefenden Kennenlernen des Aufbaus und der Arbeitsweise eines Bezirksrates und der politischen Fraktionen. Dabei wird gerade mit der Vorbereitung und der Durchführung der »simulierten Bezirksratssitzung« und der inhaltlichen und formalen Erarbeitung der aufgegriffenen Themenstellungen Wissen vermittelt, das eine hohe Alltagsorientierung und Praxisrelevanz aufweist. Im Rahmen des Planspiels hat sich zudem ein wechselseitiger, direkter Kontakt zwischen SchülerInnen und PolitikerInnen ergeben, mit dem Positionen, aber auch Schwierigkeiten deutlicher und für beide Seiten nachvollziehbarer werden. Auf diese Weise können auch spezifische Bedürfnisse und Probleme in zukünftige Diskussions- und Entscheidungsprozesse der Politik einfließen.

Positiv wurde von den SchülerInnen herausgestellt, dass »Politik nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch erlebbar und erfahrbar wurde« und im Rahmen des Projektes mit PolitikerInnen sowie Experten der Verwaltung zusammengearbeitet wurde. Betont wurde, dass es – neben der erforderlichen ernsthaften Auseinandersetzung mit den lokalpolitischen Abläufen und den inhaltlichen Themen – auch Spaß gemacht hat, »auf diese Weise Politik kennen zu lernen und selbst zu praktizieren«.

Besonderes Gewicht muss beim Planspiel – so die Auswertung der Erfahrungen – auf die (inhaltliche) Vorbereitung der Schülerinnen und Schüler durch die Lehrkräfte und die Politikerinnen und Politiker gelegt werden. Ohne die Vermittlung der erforderlichen Grundlagen und ohne die ausreichende Bereitstellung von Informationen für die Bearbeitung der einzelnen Themen ist das Interesse der Jugendlichen nur schwer zu gewinnen und können die mit dem Planspiel verbundenen Ziele nur begrenzt erreicht werden. Die zu bearbeitenden Themen sind sorgfältig auszuwählen. Bei der Vorbereitung ist auf die notwendige Balance zwischen den Bedürfnissen und Anforderungen der SchülerInnen auf der einen Seite und die möglichst enge Anlehnung an reale Abläufe und Gegebenheiten auf der anderen Seite zu achten. Bei den Schülerinnen und Schülern sollten keine falschen Vorstellungen und Erwartungen geweckt werden.

Weitere Perspektiven
Das »Planspiel Kommunalpolitik« hat sich mit seiner Erprobung in Hannover als ein sinnvolles und wirksames Instrument zur Demokratievermittlung für junge Menschen als Kooperationsprojekt zwischen lokaler Politik und Schule erwiesen. Um die angestrebten Wirkungen zu realisieren und für alle Beteiligten ein gutes Ergebnis erzielen zu können, sind aber bestimmte Rahmenbedingungen und Anforderungen zu Gewähr leisten. Die entscheidende Voraussetzung ist, dass ein gemeinsamer Wille und das Interesse der Beteiligten gegeben sind sowie dass eine verbindliche Klärung und Absprache zwischen einem Stadtbezirksrat bzw. den Fraktionen und einer Schule bzw. den Lehrkräften und Klassen erfolgen.

Angestrebt werden sollte mit dem Planspiel, dass dessen Effekte längerfristig wirken und diese sich nicht nur auf den Kreis der unmittelbar Beteiligten beschränken. Hierzu würde z.B. zählen, dass die im Rahmen der »simulierten Bezirksratssitzung« entwickelten Themen als Hinweise und Anregungen durch die »realen PolitikerInnen« aufgegriffen werden (können). Das Planspiel kann dazu beitragen, die Plattform für die Kommunikation zwischen jungen Menschen und der Politik weiterzuentwickeln und zu fördern; hierzu würde auch beitragen, in den Schulen gegenüber den Lehrkräften und den SchülerInnen gezielter, verständlicher und kontinuierlicher über aktuelle lokalpolitische Themen und die Arbeit des jeweiligen Bezirksrates zu informieren.

Das »Planspiel Kommunalpolitik« und dessen Erprobung als Modellprojekt in Hannover soll keine einmalige Veranstaltung bleiben. Es ist beabsichtigt, das Planspiel in entsprechend aufbereiteter Form im Rahmen der jeweils bestehenden Möglichkeiten auf andere Situationen zu übertragen und zu wiederholen bzw. mit anderen Schulen und Einrichtungen durchzuführen.

Die Gewinnung und Motivation junger Menschen für lokalpolitische Prozesse und Themen erfordern mehr als nur eine einmalige Veranstaltung, sondern sie setzen die kontinuierliche Auseinandersetzung und Vermittlung entsprechender Fähigkeiten und Kenntnisse im Schulalltag voraus. Das »Planspiel Kommunalpolitik« – als eine Facette der »Lokalen Demokratie und Schule« – bietet hierfür einen sehr sinnvollen und praktikablen Anknüpfungspunkt.

Literaturangaben
Bruner, C.F.; Winklhofer, U.; Zinser, C. (1999): Beteiligung von Kindern und Jugendlichen in der Kommune. Ergebnisse einer bundesweiten Erhebung, München.

Friedrich-Ebert-Stiftung, Büro Dresden (Hrsg.) (2000): Planspiel Kommunalpolitik. Eine Spielanleitung, Dresden.

Kaiser, M.; Heye, W.; Dreyer, M. (1999): Rahmenkonzept zur »Demokratischen Teilhabe« der Landeshauptstadt Hannover. Erfahrungen bei der Konzepterarbeitung und grundlegende Ergebnisse, in: Stiftung Mitarbeit (Hrsg.) (1999): Rundbrief Bürgerbeteiligung, 2. Jahrgang, Heft 2 1999, S. 7–10.

Landeshauptstadt Hannover (Hrsg.) (2001): Demokratische Teilhabe. Kurzberichte 1. Lokale Demokratie und Schule. Planspiel Kommunalpolitik mit der Goetheschule und dem Stadtbezirksrat Herrenhausen-Stöcken, Hannover.

Information und Kontakt
Zum Austausch von Erfahrungen und für weitere Auskünfte können sich interessierte Kommunen und Einrichtungen an Herrn Dr. Werner Heye, Telefon (05 11) 16 84 37 89 oder E-Mail: Werner.Heye.12( at )Hannover-Stadt.de wenden.

Die detailliertere Darstellung des »Planspiels Kommunalpolitik« mit der grundlegenden Konzeption, dem organisatorischen Rahmen und dem Erfahrungsbericht der Erprobung sind in dem oben genannten Kurzbericht veröffentlicht. Dieser kann beim Referat für Stadtentwicklung der Landeshauptstadt Hannover unter der Telefon (05 11) 16 84 48 42 oder der Telefax (05 11) 16 84 50 20 bestellt werden.

»Planspiel Kommunalpolitik«

Ziele:
Eine rein kognitive Vermittlung kommunalpolitischer Prozesse, Verfahren und Strukturen im Unterricht ist häufig zu abstrakt und stößt bei Schülerinnen und Schülern auf wenig Interesse. Der Lerneffekt bleibt begrenzt; Impulse, sich selbst einzubringen und zu engagieren, werden kaum gegeben. Oftmals fehlen SchülerInnen auch die erforderlichen Informations- und Wissensgrundlagen über demokratische Zusammenhänge in ihrem Umfeld.

Das »Planspiel Kommunalpolitik« wählt einen anderen Ansatzpunkt. SchülerInnen einer Schule schlüpfen in die Rolle von PolitikerInnen – in diesem Fall eines »Stadtbezirksrates« – und bereiten in möglichst enger Anlehnung an die Regeln und Verfahren der realen Bezirksratsarbeit im Rahmen des Unterrichts ausgewählte Themen vor und erstellen hierzu Anträge und Anfragen. Diese werden dann in einer »simulierten Bezirksratssitzung« beraten und entschieden. Die Schülerinnen und Schüler bearbeiten aktuelle politische Themen aus dem engeren Lebensumfeld und eignen sich in dieser spielerischen Form gleichzeitig Wissen über kommunalpolitische Strukturen, Abläufe und Zusammenhänge an.

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