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Rundbrief Bürgerbeteiligung II/2000

Gemeinwesenarbeit in Düren (3/3)

Beispiel B
Hier handelt es sich um ein Siedlungsgebiet z.T. mit Vorkriegs-, aber vor allem Einfamilienhausbebauung, in dem ca. 1000 Menschen leben. Auffallend ist die mangelhafte Infrastruktur (fehlende Einkaufsmöglichkeiten und Treffpunkte, mangelhafte Verkehrsberuhigung, ...).

Es existiert eine neuere Bürgerinitiative, die sich für den Erhalt von Freiflächen einsetzt, und eine Siedlergemeinschaft mit langer Tradition.

In Zusammenarbeit mit diesen Gruppen versuchten wir Personen zu erreichen, die bisher nicht aktiv waren. Wir bedienten uns wegen der Größe des Gebietes einer besonderen Methode: Wir stellten das Wohngebiet auf einem großen Plan dar. Mit diesem Plan und einem Satz Kärtchen, auf dem die uns aus der Voruntersuchungen bekannten Interessen gezeichnet waren, stellten wir uns an neun verschiedenen belebten Plätzen (z.B. bei einem Fest oder am Kindergarten) auf. Dieser Plan diente als Medium, um mit Menschen in Kontakt zu kommen, Gespräche und Auseinandersetzung anzuregen. Gleichzeitig erhielten wir von den angesprochenen BewohnerInnen Hinweise auf deren Veränderungsideen, in dem diese die Kärtchen auf den Plan legen konnten.

Die Ergebnisse wurden den beteiligten Organisationen vorgestellt und mit ihnen gemeinsam eine große Bewohnerversammlung vorbereitet.

Diese Versammlung war ein Erfolg, es bildeten sich drei Arbeitsgruppen zu einzelnen Themenschwerpunkten. Die Arbeitsgruppen entwickelten daraufhin Vorschläge, die bald auf einer erneuten Versammlung vorgestellt werden. Akzeptiert die Versammlung die Vorschläge, so bilden diese die Grundlage für ein Bürgerprogramm, das es in nächster Zeit umzusetzen gilt.

Erste Zwischenauswertung
Viele KollegInnen, denen wir unseren Ansatz erläutern, sind begeistert und skeptisch zugleich. Die skizzierte Rolle der GemeinwesenarbeiterIn findet Zustimmung, aber zugleich auch ein »Aber ...«. Meist wird skeptisch kommentiert, dass angesichts der vielen Probleme Aktivierung doch viel zu lange dauere. Diese Erfahrung können wir nicht teilen. In weniger als zehn Monaten haben sich in den Wohnbereichen arbeitsfähige Gruppen und zwei Interessenvertretungen entwickelt. Erste Umrisse eines Bürgerprogrammes sind erkennbar.

Im Vergleich zu anderen Stadtteilprogrammen haben wir keine bunten Prospekte, Kulturzentrumsplanungen, Zeichnungen von Sanierungskonzepten oder Runde Tische zur Aufteilung von sozialen Aufgaben angefertigt. Aber es scheint in Düren einmal mehr zu gelingen, demokratische Strukturen im Gemeinwesen mit Leben zu füllen und die Potenziale zu stärken, die im Stadtteil vorhanden sind. Im Kern geht es nicht nur um eine Planung von »unten nach oben«, sondern auch um ein unmittelbares Anknüpfen an die Ressourcen der BewohnerInnen, die auf der Basis der Kultur der eigenen Organisation nach außen gehen. Wenn daraus ein Kulturzentrum oder eine neue soziale Einrichtung entsteht, dann ist auch sicher gestellt, dass sie ein Spiegel der BewohnerInnen des Stadtteils sind.

Kontakt und weitere Informationen:
Büro für Gemeinwesenarbeit
Schenkelstraße 7 (Parterre)
D-52394 Düren
Telefon (0 24 21) 1 88-0

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