Rundbrief Bürgerbeteiligung II/2000
Gemeinwesenarbeit in Düren (1/3)
Von Tilman Berger und Birgitta Kammann, Büro für Gemeinwesenarbeit
Die Evangelische Gemeinde zu Düren ist seit Anfang der 80er Jahre in der Gemeinwesenarbeit tätig. Der Schwerpunkt der Tätigkeit war von Beginn an ausgerichtet auf benachteiligte Wohnquartiere und Stadtteile, die in ihren materiellen und sozialen Lebensbedingungen – im Vergleich zu anderen städtischen Gebieten – spürbar benachteiligt sind.
Unser Ziel ist die Beratung und Unterstützung der BewohnerInnen beim Aufbau eigenständiger Interessenvertretungen in angemessenen Organisationsformen, die auf Dauer angelegt sind und den Erhalt und Aufbau des Gemeinwesens fördern.
Die erste selbständige Interessenvertretung entstand im Dürener Satellitenviertel. Im Laufe seiner Geschichte wurde der Bürgerverein Satellitenviertel e.V. zu einer der größten Bewohner-Selbstorganisationen in der BRD.
In den vergangenen Jahren ist unsere Arbeit in ihren Aufgaben vielfältiger geworden, das Wirkungsfeld wurde erweitert. Heute gehören zu unserem Büro 10 KollegInnen, davon 8 GemeinwesenarbeiterInnen, die in den unten aufgeführten Gebieten und Tätigkeitsfeldern arbeiten.
Selbstverständnis
Für uns ist Gemeinwesenarbeit im Wesentlichen das Tätigwerden der Bewohnerschaft. Die Außenvertretung der einzelnen Projekte wird jeweils durch ihre gewählten VertreterInnen wahrgenommen. Wir handeln somit nicht stellvertretend.
»Selbsttätigkeit«
Die BewohnerInnen sind für uns nicht »Klienten«, sondern »Fachleute ihres eigenen Alltags«. Deren Wünsche und Bedürfnisse (= Eigeninteressen) sind Ausgangspunkt für die Aktivierung und nicht unsere eigenen Vorstellungen. Wenn sie Verbesserungen wünschen oder Verschlechterungen verhindern wollen, ist es auch ihre Sache, selbst etwas dafür tun.
Aktionskern
Unsere Praxis weist nach, dass eine spürbare Verbesserung der Wohn- und Lebensverhältnisse erreicht werden kann, wenn die BewohnerInnen sich gemeinsam auf den Weg machen und es ihnen gelingt, einen Aktionskern aufzubauen, der auf Dauer zusammenarbeitet.
Ausgehend von Lebensbedingungen vor Ort ist professionelle Unterstützung und Beratung der BewohnerInnen beim Aufbau einer eigenständigen Interessenvertretung erforderlich, damit sie über gemeinschaftliches Handeln ihre gesteckten Ziele erreichen können.
Unsere Aufgaben gehen über den bekannten Arbeitsansatz »Hilfe zur Selbsthilfe« hinaus und beinhalten im Wesentlichen Aufbauarbeit und Aktivierung, Organisationsberatung, Strategie- und Taktikberatung, sowie Recherche und Hintergrundarbeit.
Als Beispiel beschreiben wir unser jüngstes Projekt in Düren Süd-Ost.
GWA als Organisationsberatung
Mit dem jüngsten Projekt »Wohnquartiersbezogene Aktivierung in Düren Süd-Ost« ist es gelungen, Aufnahme in das »Handlungsprogramm für Stadtteile mit besonderem Erneuerungsbedarf« in NRW zu finden. 1999 erhielt das Büro für Gemeinwesenarbeit der Evangelischen Gemeinde zu Düren als freie Trägerin von der Stadt den Auftrag (Umfang 2 Stellen), die Menschen wohnquartiersbezogen für den Aufbau von Interessenvertretungen zu aktivieren. Damit wird der formulierte Ansatz der »Erneuerung von unten« ernst genommen. Ziel ist es nicht, wie vielerorts, möglichst rasch Projekte zu entwickeln, sondern im Stadtteil Strukturen aufzubauen oder vorhandene zu stärken, um eine Grundlage dafür zu schaffen, dass BewohnerInnen in ihren Organisationen den Erneuerungsprozess aktiv gestalten können.
Dem über zwei Jahre laufenden Vertrag mit der Stadt Düren ging eine längere Diskussion voraus. Es ging um die Frage, was die Aufgaben des GWA-Büros im Verhältnis zu dem von der Stadt Düren eingerichteten Projektbüro sind. Im Ergebnis wurde das Gebiet in Quartiere aufgeteilt, in denen das GWA-Büro »Aktivierung« im oben beschriebenen Sinne betreibt, und in solche, in denen das städtische Projektbüro »Beteiligungs« - Angebote macht.
Weitere Artikel in diesem Rundbrief:
Neue Ansätze und Ideen
- Clóvis R. Zimmermann
Porto Alegre: Innovative Stadtverwaltung durch Bürgerbeteiligung - Adrian Reinert
Lokale Demokratieberichterstattung - Andreas von Zadow
Integrative Stadtplanung mit Perspektivenwerkstatt - Helmut Saiger
CITY-Jahr für Jugendliche
![]()
Projektberichte
- Zukunftskonferenz Nürnberg: Die Kraft des Südens nutzen
- Heidrun Eberle/Sven Siebert
München: Bürgerbeteiligung in einem neu entstehenden Stadtteil - Das erste Arbeitsjahr der Geschäftsstelle des Verbundes FöBE in München
- Tilman Berger/Birgitta Kammann
Gemeinwesenarbeit in Düren - Gründung der Stadtteilgenossenschaft Wedding
- Werner Hubertus
Testival in Friedrichsthal
![]()
Diskussionsbeiträge
- Benno Trütken
Bürgerbegehren versus Bürgergutachten - Barbara Gierull
Bürgerengagement – Versuch einer Standortbestimmung - Günter Dick
Bleibt die wahre Demokratie Utopie? – Erinnerungen an Artur Mahraun - Anita Zeimetz/Peter Neumann
»Attraktiv und barrierefrei«– Ansätze humaner Stadtplanung


Meine
Seite ausdrucken
Seite weiterempfehlen