Rundbrief Bürgerbeteiligung II/2000
Integrative Stadtplanung mit Perspektivenwerkstatt (2/2)
Ablauf der Perspektivenwerkstatt
Am Vortag der öffentlichen Perspektivenwerkstatt beginnt die Arbeit des externen Teams zu Fuß und per Bus, um einen Überblick über das Planungsgebiet zu erhalten.
Daran anschließend findet das »Teambriefing« statt, bei dem Experten und Vertreter der politischen Parteien die Schlüsselinformationen zum Projekt geben.
Nach der Eröffnung folgt die intensive Arbeitsphase. Die Arbeits- und Planungsgruppen diskutieren zu einschlägigen Themen über die gemeinsame Zukunft. Dabei geht es um den Ist-Zustand, bestehende Probleme sowie um konkrete Lösungsvorschläge.
Am Ende der Veranstaltung haben alle Teilnehmer durch die offene und konstruktive Arbeitsweise ein Stück neue Planungskultur erlebt. Dies spiegelt sich in der Zusammenfassung und Visualisierung durch das unabhängige Werkstatt-Team wieder:
- Der Veranstalter ist Initiator und Gastgeber der Perspektivenwerkstatt und beauftragt ein unabhängiges Werkstatt-Team mit der Durchführung.
- Die Initiatoren auf kommunalpolitischer Ebene sind Bürgermeister oder Stadtplaner in Städten und Gemeinden, Kommunale und private Wohnungsbaugesellschaften, Investoren und Bauherren, Interessenverbände, Initiativen und kommunale Aktivisten.
- Thematisch reicht das Spektrum von Strukturkonzepten für ganze Großstadtbezirke über quartiersbezogene Sanierungskonzepte und Neuplanungen, Siedlungsbau, Konversionsprojekten bis hin zur Objektplanung bei Stadtplätzen, Baulücken oder Industriedenkmalen.
- Als Teilnehmer werden alle Bürger des Stadtteils, Stadtplaner, Grundeigentümer, Wirtschaftsunternehmen, potenzielle Investoren, Verbände sowie Vertreter der Stadtverwaltung und Politiker aller Couleur eingeladen.
Ergebnisse: Umsetzungsfähige stadtplanerische Entwürfe
Es ist die Aufgabe eines Werkstatt-Teams, auf der Grundlage der Erkenntnisse der Perspektivenwerkstatt einen in sich schlüssigen Vorschlag für die zukünftige Gebietsentwicklung zu erarbeiten, der sowohl die stadtplanerischen als auch die wirtschaftlichen und sozialen Fragen integriert:
- Inventarisierung konsensfähiger Entwicklungsziele und lösbarer Probleme
- Zeichnerische Gesamtansichten mit Detailierungen
- Spezifische Vorschläge für bestimmte Flächen und markante Punkte
- Aktionsprogramme und Umsetzungsschritte
- Vorschläge für strategische Partnerschaften
- Empfehlungen für organisatorische Veränderungen und verbesserte Zusammenarbeitsstrukturen
- Alle Ergebnisse und Vorschläge werden 3 Tage nach der Veranstaltung in Form einer Diaserie und einer Ausstellung öffentlich präsentiert. Direkt im Anschluss daran wird innerhalb von 2 Wochen ein Bericht von Mitarbeitern des Teams erstellt und als Dokumentation den Auftraggebern überreicht.
- Die Implementierung der Ergebnisse (Beratung in Gremien, planerische Umsetzung, organisatorische Strukturen, Überwindung neuer Konflikte) wird anschließend weiter von einzelnen Mitgliedern des Planungsteams, für mindestens sechs Monate nach der Perspektivenwerkstatt, begleitet.
Quintessenz
Unsere Erfahrungen mit diesem Verfahren zeigen, dass sich Projekte erheblich zügiger und problemloser verwirklichen lassen, indem unnötiges Misstrauen und Konfrontationsdenken durch die offene und konstruktive Zusammenarbeit ausgeräumt werden. So ergeben sich qualifiziertere Ergebnisse bei gleichzeitiger Zeit- und Mittelersparnis.
Der Methode »Perspektivenwerkstatt« wurde 1999 der Innovationspreis der deutschen Immobilienwirtschaft verliehen.
Literatur
Andreas von Zadow, Perspektivenwerkstatt, 1997 ISBN 3-88118-231-4
Nick Wates, Action Planning, 1996 ISBN 1 898465 11 8
Nick Wates, The Community Planning Handbook, 2000 ISBN: 1 85383654 0
Weitere Artikel in diesem Rundbrief:
Neue Ansätze und Ideen
- Clóvis R. Zimmermann
Porto Alegre: Innovative Stadtverwaltung durch Bürgerbeteiligung - Adrian Reinert
Lokale Demokratieberichterstattung - Andreas von Zadow
Integrative Stadtplanung mit Perspektivenwerkstatt - Helmut Saiger
CITY-Jahr für Jugendliche
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Projektberichte
- Zukunftskonferenz Nürnberg: Die Kraft des Südens nutzen
- Heidrun Eberle/Sven Siebert
München: Bürgerbeteiligung in einem neu entstehenden Stadtteil - Das erste Arbeitsjahr der Geschäftsstelle des Verbundes FöBE in München
- Tilman Berger/Birgitta Kammann
Gemeinwesenarbeit in Düren - Gründung der Stadtteilgenossenschaft Wedding
- Werner Hubertus
Testival in Friedrichsthal
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Diskussionsbeiträge
- Benno Trütken
Bürgerbegehren versus Bürgergutachten - Barbara Gierull
Bürgerengagement – Versuch einer Standortbestimmung - Günter Dick
Bleibt die wahre Demokratie Utopie? – Erinnerungen an Artur Mahraun - Anita Zeimetz/Peter Neumann
»Attraktiv und barrierefrei«– Ansätze humaner Stadtplanung


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