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Rundbrief Bürgerbeteiligung II/2000

Integrative Stadtplanung mit Perspektivenwerkstatt (1/2)

Von Andreas von Zadow, MATCH-Entwicklungsberatung Berlin

Das Verfahren
Das Verfahren der Perspektivenwerkstatt geht zurück auf verschiedene Planungsansätze, die im englischsprachigen Raum unter dem Namen »Community Planning« bekannt sind: Ein verlängertes Arbeitswochenende, an dem intensiv – gemeinsam mit Fachleuten und Betroffenen vor Ort – Lösungsideen erarbeitet werden, die dann ein neutrales, multidisziplinäres Team in nur wenigen Tagen in einer »Vision« zusammenfasst und illustriert.

Die Perspektivenwerkstatt nutzt innerhalb der themenbezogenen Arbeits- und Planungsgruppen ähnliche didaktische Mittel, wie sie von Zukunftswerkstätten bekannt sind. Im Unterschied dazu hat jedoch das »unabhängige Team« in der Perspektivenwerkstatt den Doppelauftrag, neben der Moderation der öffentlichen Veranstaltungsteile einen eigenen, inhaltlich schlüssigen und graphisch illustrierten Lösungsvorschlag zu erarbeiten.

Auf Grund ihrer integrierenden, partizipativen, schnellen und ergebnisorientierten Arbeitsweise stellt die Perspektivenwerkstatt ein hochaktuelles Instrumentarium der Dialogplanung dar, welches für einzelne Standortfragen genauso wie für umfassende Neuorientierungen im Sinne einer nachhaltigen Stadtentwicklung (Agenda 21) entscheidende Impulse liefern kann.

Anwendungsmöglichkeiten und Veranstalter
Es gibt die verschiedensten Situationen, in denen sich für lokale Akteure die Durchführung einer Perspektivenwerkstatt anbietet. Oft wird das Verfahren dann gewählt, wenn besonders komplexe Fragestellungen bearbeitet werden sollen, für die herkömmliche Verfahren entweder ungeeignet erscheinen oder bereits ohne den gewünschten Erfolg durchgeführt wurden.

Im Rahmen dieses integrativen Stadtplanungskonzeptes gibt es eine Vielzahl von Tools, neben der Perspektivenwerkstatt, die unterschiedlich kombinierbar eingesetzt werden können, je nach lokalen Umständen.

  • Der Veranstalter ist Initiator und Gastgeber der Perspektivenwerkstatt und beauftragt ein unabhängiges Werkstatt-Team mit der Durchführung.
  • Die Initiatoren auf kommunalpolitischer Ebene sind Bürgermeister oder Stadtplaner in Städten und Gemeinden, Kommunale und private Wohnungsbaugesellschaften, Investoren und Bauherren, Interessenverbände, Initiativen und kommunale Aktivisten.
  • Thematisch reicht das Spektrum von Strukturkonzepten für ganze Großstadtbezirke über quartiersbezogene Sanierungskonzepte und Neuplanungen, Siedlungsbau, Konversionsprojekten bis hin zur Objektplanung bei Stadtplätzen, Baulücken oder Industriedenkmalen.
  • Als Teilnehmer werden alle Bürger des Stadtteils, Stadtplaner, Grundeigentümer, Wirtschaftsunternehmen, potenzielle Investoren, Verbände sowie Vertreter der Stadtverwaltung und Politiker aller Couleur eingeladen.


Die Arbeitsweise
Die Perspektivenwerkstatt, als Höhepunkt einer 6–12 monatigen integrativen Stadtplanung, ist eine fest vorstrukturierte Veranstaltung. Die Themen der Arbeitsgruppen werden auf verschiedenen im Vorfeld stattfindenden Treffen vorbereitet und strukturiert.

Im Essener Projekt Berliner Platz haben die regelmäßigen Treffen eines öffentlichen Unterstützerkreises einen wesentlichen Beitrag für eine sach- und konsensorientierte Vorwärtsstrategie geleistet. Aus diesem Kreis bildete sich eine breit angelegte Steuerungsgruppe und das Unterstützerteam, das vor Ort von einem lokalen Projektmanagement koordiniert wird. Sie gewährleisteten die konkrete Durchführung der Perspektivenwerkstatt.

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