Rundbrief Bürgerbeteiligung II/2000
Testival in Friedrichsthal
Ein Beteiligungsmodell nicht nur für Kinder und Jugendliche
Von Werner Hubertus, Gemeinwesenarbeit Friedrichsthal
1. Die Stadt
Friedrichsthal ist eine Kleinstadt in der Nähe der saarländischen Landeshauptstadt Saarbrücken. Die Stadt steckt mitten in einem wirtschaftlichen Umstrukturierungsprozess, den grenzüberschreitend die ganze Region seit Jahrzehnten durchmacht. Hohe Arbeitslosigkeit und hohe Sozialhilfedichte beschreiben hier die Situation, und von Kindern und Jugendlichen wird oft das Gefühl geäußert, »hier ist nichts los«, das Leben spielt sich irgendwo anders ab.
In Friedrichsthal gibt es wenig Hauptamtliche, die Kinder- und Jugendarbeit anbieten. Die meiste Arbeit wird in Vereinen und Jugendverbänden auf ehrenamtlicher Basis geleistet.
2. Die Idee
Im Sommer 1998 wurde auf einem Fest von einer Hand voll Leute die Idee besprochen, etwas zu machen, um Kindern und Jugendlichen Stimme und Gehör auf der politischen Bühne zu verschaffen. Es sollte etwas Gemeinsames von allen in der Kinder- und Jugendarbeit engagierten Erwachsenen auf die Beine gestellt werden. Der gute Wille war da, und nach den Sommerferien sollte es so richtig losgehen.
3. Die Einstiegsphase
Zunächst war es wichtig, sich sachkundig zu machen und neue Bündnispartner zu gewinnen. Glücklicherweise gab es vom ersten Treffen an einen Kreis von interessierten und engagierten Leuten, Hauptamtlichen wie Ehrenamtlichen, die sich die Idee zu Eigen machten. Dieser neu gebildete Arbeitskreis befasste sich zunächst mit der Form in der eine kind- und jugendge-rechte Beteiligung möglich ist. Es gab schnell eine Einigkeit, dass kein Interesse besteht, die Rituale aus der Erwachsenenwelt nachzuahmen. Es sollte eine Aktion sein, die
- zeitlich befristet
- an Themen orientiert
- mittels altersgerechter Methoden
- kontrollierbare Ergebnisse erbringt.
Die Form der Veranstaltung war noch nicht klar, aber alle waren motiviert, kontinuierlich mitzuarbeiten und offen, um gemeinsam etwas Neues auf den Weg zu bringen. In den folgenden Monaten wurde auf regelmäßig stattfindenden Treffen die Idee immer konkreter. Die Hauptarbeit in diesen Wochen waren jedoch unzählige Einzelgespräche und Telefonate mit potenziell interessierten Bürgern in der Stadt. Der offizielle Jugendarbeitsverteiler der Stadtverwaltung bot nur einen Anhaltspunkt, wer von den Vereinen denn Interesse haben könnte. Nach unserer Erfahrung wurden unsere Schreiben und Informationen in den Vereinen sehr oft von den offiziellen Ansprechpartnern nicht weitergegeben. Interessierte Ehrenamtliche waren auf diesem Weg nur sehr schwer zu erreichen. Viel wichtiger war daher die konkrete Ansprache von Einzelpersonen. Die Idee wurde so über Mundpropaganda und Informationen durch die Presse in der Stadt publik gemacht. Ängste und Vorbehalte konnten mit vertrauensvollen Personen aus dem direkten Lebens- und Wohnumfeld besprochen und ausgeräumt werden. Interessant war, wie oft nachgefragt wurde, ob das eine parteipolitische Veranstaltung sei. Mit Parteipolitik, so könnte man die nichtrepräsentativen Rückmeldungen deuten, wollen viele Bürger nichts zu tun haben.
Der Arbeitskreis »Kinder- und Jugendfreundliches Friedrichsthal« wurde gegründet. Er erwies sich als sehr arbeitsfähig. Die Mitglieder stützten und motivierten sich gegenseitig, gerade in der zähen Startphase weiterzumachen und mit Engagement bei der Sache zu bleiben. Kritische Situationen konnten so in der Gruppe gemeinsam gelöst werden. Aus dem Dialog heraus entwickelten sich auch die Anforderungen an eine Beteiligungsaktion: sie musste vom Arbeits- und Zeitaufwand her überschaubar und so offen sein, dass die verschiedenen Gruppen, die sich beteiligten, auch mit den ihnen zur Verfügung stehenden Möglichkeiten ihren Platz finden konnten. Wichtig war der Faktor Spaß: es sollte den Kindern und den Erwachsenen Spaß machen!
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Bürgerbegehren versus Bürgergutachten - Barbara Gierull
Bürgerengagement – Versuch einer Standortbestimmung - Günter Dick
Bleibt die wahre Demokratie Utopie? – Erinnerungen an Artur Mahraun - Anita Zeimetz/Peter Neumann
»Attraktiv und barrierefrei«– Ansätze humaner Stadtplanung


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