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Rundbrief Bürgerbeteiligung I/2000

Eine soziale Innovation: Quartiersmanagement bei Wohnungsprivatisierung (3/3)

Es folgt nun eine kurze Erläuterung der Leistungen, die dem Leistungstyp 2 zuzuordnen sind:

Entwicklung einer lokalen Ökonomie
Hier geht es vor allem darum, innerhalb des Quartiers Möglichkeiten der Arbeit und Beschäftigung zu schaffen für Sozialhilfeempfänger, Arbeitslose und andere Interessierte, die für das Quartier tätig sein wollen.

Beispielsweise ist es sinnvoll, ein »Concierge-System« innerhalb der Siedlung über öffentliche Transferleistungen zu finanzieren.

Lokale Ökonomie setzt voraus, dass quartiersbezogene Bedarfe für Arbeit und Beschäftigung definiert werden und möglichst an die vergeben werden, die im Quartier wohnen und Arbeit und Beschäftigung suchen.

Infrastrukturplanung
Das Quartiersmanagement wird sich in die kommunale Infrastrukturplanung einmischen müssen, wenn im Quartier notwendige, alltagsorientierte Angebote fehlen (Kinderbetreuung, Jugendarbeit, Altenhilfe etc.)

Betroffenenbeteiligung
Es ist notwendig, dass die Bewohnerinnen und Bewohner des Quartiers sich möglichst umfangreich an den Planungen beteiligen können, die zur Lebenslageverbesserung im Quartier führen sollen. Entsprechende Methoden der Betroffenenbeteiligung sind zu entwickeln und zu erproben.

Stärkung der Selbstverwaltung
In den abgewirtschafteten Quartieren herrscht regelmäßig eine Grundstimmung bei den Bewohnerinnen und Bewohnern, die von Hoffnungslosigkeit und Gestaltungsarmut geprägt ist.
Dies sind u.a. Reflexe auf die Lebensbedingungen dort. Beim Quartiersmanagement muss darauf geachtet werden, dass möglichst viele Selbstverwaltungsprozesse entstehen können.
Auf diese Weise entwickeln sich »Menschenkräfte« (Empowerment), die Lebensmut und Freude an der Gestaltung der unmittelbaren Lebenszusammenhänge wachsen lassen.

Beschwerdemanagement
Wie bei jeder Organisationsentwicklung gibt es eine Verantwortungsrichtung von oben nach unten (»top-down«) und eine solche von unten nach oben (»bottom-up«).

Betroffenenbeteiligung und Selbstverwaltung werden nicht dazu führen, dass Leitungsentscheidungen der beteiligten Firmen und Institutionen nicht mehr überprüft werden müssen. Die Kontrolle durch die »Kunden« wird nötig sein. Dazu ist ein Beschwerdemanagement im Quartier zu entwickeln, um die Kundenorientierung der Firmen und Institutionen zu verbessern, die im Quartier und für das Quartier Leistungen anbieten.

Rechtsberatung und Mediation
Im Quartier wird es offene Fragen geben, die durch normale Anbieter von Rechtsberatung (z.B. Mieterverein) nicht beantwortet werden können. In diesem Fall wird das lokale Quartiersmanagement sich selbst kundig machen und beraten müssen. Dasselbe gilt für Konflikte, die durch unmittelbare Auseinandersetzung der Konfliktträger nicht geregelt werden können (z.B. Streit zwischen unterschiedlichen Haushalten).
Hier wird der Quartiersmanagement-Träger eine Mediation anbieten.

Vernetzung mit anderen sozialen Dienstleistern
In der Regel werden im Quartier unterschiedliche soziale Dienstleistungen verwirklicht; diese sind oft nicht bzw. schlecht koordiniert (zwischen Jugendamt, Sozialamt, freier Wohlfahrtspflege und gewerblichen Anbietern).
Der lokale QM-Träger wird sich anbieten, eine solche Koordinationsleistung zu erbringen aus der Quartiersperspektive heraus. Der »Fall« ist das Quartier. Entsprechende Erfahrungen mit »Casemanagement« sind zu übertragen.

Erfolgskontrolle des Quartiersmanagement-Trägers
Die SozialWERT gGmbH wird mit dem lokalen Quartiersmanagement-Träger ein Verfahren der Selbst-evaluation vereinbaren, das garantiert, dass sich der Quartiersmanagement-Träger anhand der relevanten Standards selbst kontrollieren kann.

Die Ergebnisse der Selbstevaluation sind mit der SozialWERT gGmbH zu erörtern.

Abschließend soll die Aufmerksamkeit auf einen Sachverhalt gelenkt werden, der mit dem doppelten Nutzwert der Wohnung zusammenhängt und der eine Begründung liefert für die Entwicklung der integrierten Technologie zur Sanierung abgewirtschafteter Quartiere mit Hilfe von Privatisierung und Quartiersmanagement.

Die Wohnung ist einerseits ein Objekt, das im Zusammenhang mit »Kapitalverwertung« eine Rolle spielt (beispielsweise kann sie genutzt werden um eine gewisse Rendite zu erzielen), andererseits ist sie notwendige Ressource für die Befriedigung menschlicher Grundbedürfnisse (Behausung, Sicherheit, Intimität usw.).

Dieser »Doppelcharakter der Wohnung« verlangt einen achtsamen, sozialverträglichen Umgang mit ihr. Dieser Umgang wird angemessen gestaltet durch die hier beschriebene integrierte Technologie, die über ein Quartiersmanagement gesichert werden soll.

Kontakt und Information:
SozialWERT gGmbH,
Prof. Dr. phil. Andreas Strunk, Dipl. Ing.;
Herdweg 54, D-70174 Stuttgart,
Telefon (07 11) 2 27 11 50, Telefax (07 11) 2 27 11 16, E-Mail:
GISA.mbH( at )t-online.de

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