Rundbrief Bürgerbeteiligung I/2000
Ansätze für Quartiersmanagement in Sachsen-Anhalt (1/2)
von Cornelia Cremer, UrbanPlan, Berlin
Der Berliner Stadtbezirk Marzahn ist mit ca. 58.000 Plattenbauwohnungen die größte Großsiedlung in der Bundesrepublik Deutschland. Nach der Vereinigung wurden vielfältige Entwicklungsmaßnahmen bei der Wohnumfeldverbesserung, der Gebäudesanierung, dem Ausbau der Nahversorgungsstruktur sowie der Anpassung der vorhandenen Infrastruktur eingeleitet.
Von Beginn an wurde Wert auf die Kommunikation und die Beteiligung unterschiedlicher Akteure im Weiterentwicklungsprozess der Großsiedlung Marzahn gelegt. Dafür wurde 1991 die Plattform Marzahn ins Leben gerufen.
Kernaufgabe der Plattform Marzahn ist die Herstellung von Transparenz und Öffentlichkeit zu unterschiedlichen Planungsansätzen. Die Plattform Marzahn informiert und beteiligt die Bewohner, organisiert den öffentlichen Diskussionsprozess zu Entwicklungszielen und geplanten Vorhaben und steuert unterschiedliche Abstimmungsrunden der Entscheidungsträger. Dafür wurden miteinander verzahnte Beteiligungsangebote an unterschiedlichen Planungsvorhaben entwickelt, wie
- das öffentliche Forum,
- Bewohnerworkshops, Bewohnerbefragungen und Stadtspaziergänge,
- Interne Steuerungsrunde,
- der Gestaltungsbeirat und
- das Vorortbüro.
Eine weitere Aufgabe der Plattform Marzahn liegt in der Förderung des Gemeinwesens, z.B. durch Förderung von Bewohnerinitiativen sowie durch organisatorische Hilfen für bestehende oder sich gründende Interessengruppen und Vereine, durch Organisation von Festen, etc.
Der Auftrag der Plattform Marzahn liegt in der Führung der öffentlichen Diskussion und in der Bewohnerbeteiligung, um darüber zur Strukturierung und Koordination der Entwicklungsaufgaben beizutragen. Weiter gehende Kompetenzen, z.B. Projektentwicklung und –initiierung, hatte die Plattform zunächst nicht.
Als »Tochterunternehmung« der Plattform Marzahn wurde im Juni 1999 im nördlichsten und jüngsten Marzahner Stadtteil (rund 29.000 Einwohner) ein Quartiersmanagement eingesetzt. Auffälligste Entwicklung in diesem Stadtteil war die übermäßige Fluktuation in den letzten Jahren.
Kernaufgabe des Quartiersmanagement Marzahn NordWest, ist die Entwicklung und Umsetzung von Präventionsmaßnahmen, um auf sich verändernde Wohnwünsche und neue Anforderungen an die Alltagsorganisation zu reagieren und ein mögliches Absinken dieses Stadtteils zu verhindern.
Entwicklungspolitische Ziele für den Stadtteil sind:
- die Stabilisierung der Bevölkerungsstruktur,
- die Anpassung der sozialen Infrastruktur einschließlich der sozialen Dienste an die sich verändernde Altersstruktur der Bevölkerung im Zuge der »demografischen Welle,
- die Integration der zugezogenen Spätaussiedler,
- die Entwicklung und Stärkung der Arbeitsmarkt- und Wirtschaftsstruktur,
- die Aufwertung der baulich-räumlichen Situation und die Verbesserung des Stadtteilimages.
Weitere Artikel in diesem Rundbrief:
Schwerpunkt Soziale Stadt
- Dr. Roland Bieber et al.
Quartiersmanagement – Wundermittel der Stadtentwicklung? - Ralf Elsässer
10 Thesen für ein erfolgreiches Quartiersmanagement - Birgit Schmidt
Ansätze für Quartiersmanagement in Sachsen-Anhalt - Dr. Helga Gantz
Stadtteilmarketing Gorbitz - Cornelia Cremer
Integriertes Stadtteilmanagement Plattform Marzahn - Herbert Brand
Anwohner-Selbsthilfe in der Quartiersentwicklung - Projektgruppe Difu
Das Bund-Länder-Programm »Die Soziale Stadt« - Andreas Strunk
Eine soziale Innovation: Quartiersmanagement bei Wohnungsprivatisierung
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Blick über die Grenzen
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Projektberichte
- Barbara Kopf/Andreas Libera
»Aktiv in Kirchdorf-Süd« – PRA in der Praxis - Michael Stiefel
Bürgerforum Boxhagener Platz erprobt Open-Space-Verfahren - Hans-Georg Rennert
Zwischen Kiez und City – Ein Bündnis für mehr Beteiligung - Martin Rüttgers
Gutachten erkundet »Bürgerbeteiligung in Köln« - Heidi Sinning/Gundis Bader
Bürgergutachten »Bürgeramt Hannover Süd-Ost« - Aulaprojekt in Lippstadt
Dann bauen wir sie selbst - Petition für einen »Demokratiepfennig«


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