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Rundbrief Bürgerbeteiligung I/2000

»Aktiv in Kirchdorf-Süd« – PRA in der Praxis (1/2)

Öffentlich gemacht wurde die Aktion mit Flugblättern, Zeitungsartikel, Aufsuchen von Lehrerzimmern und von Orten, wo sich Menschen treffen sowie durch ca. 150 verschickter Briefe an NutzerInnen des Freizeithauses.
Der PRA-Workshop fand ganztägig am 10.9.1999 auf der südlichen Mittelachse in Kirchdorf-Süd, nachmittags zum Teil auch auf dem Marktplatz statt.

Gearbeitet wurde in homogenen Zielgruppen wie Mädchen von 10 – 12 Jahren, Migrantinnen türkischer Herkunft. Damit sollte erreicht werden, dass nicht von vornherein hierarchische Strukturen entstehen.
Drei Hauptinstrumente waren im Verlauf der Vorbereitung für die Arbeit in den Untergruppen vereinbart worden:

  • Gestaltung des Freizeithaus Kirchdorf-Süd mit flexiblen Materialien.
  • Sammlung,Gewichtung und Diskussion der Angebote des Freizeithaus. (»ranking«)
  • Ideenbaum mit Wurzel, Stamm und Blätterkrone.


Hier sollte eine Freizeitidee ( z.B. Tanzkurs, Videogruppe) entwickelt werden.

100 Kinder aus 5 Schulklassen, einige Stadtteilprofis und etliche Erwachsene nahmen an der PRA-Aktion teil. Die Aktivierung vieler Menschen in Kirchdorf-Süd ist gelungen, wenn auch einzelne Zielgruppen (erwachsene und ältere Menschen) nicht so stark repräsentiert waren wie erhofft. Demgegenüber war der Kreis von Kindern und Jugendlichen sehr groß.

Bei der Arbeit mit den Zielgruppen dokumentierten mehrere Personen den Prozess sowie die geäusserten Meinungen und Interessen. Einige der Teammitglieder führten halbstrukturierte Interviews mit Personen durch, die in der Nähe der Arbeitsorte vorbeikamen und nicht dazu gebracht werden konnten, an den Gruppen teilzunehmen.

Insgesamt war der Eindruck, dass BewohnerInnen verschiedenen Alters und aus unterschiedlichen Herkunftsländern kaum bereit waren und Interesse zeigten, sich mit Anderen zu mischen.

Folgeaktivitäten
Nach Abschluss der PRA Aktion bildeten sich neue Freizeitgruppen, die sich inzwischen regelmässig im Freizeithaus Kirchdorf-Süd treffen. In Kooperation mit dem Hamburger Sport Bund konnte ein hip-hop-Kurs eingerichtet werden. Barbara Kopf erhielt neue Anregungen für ihre Arbeit. So ist Tanzen und Disko ein Wunsch, den viele Zielgruppen äußerten. Informationen und Ergebnisse der Evaluierung wurden an zahlreiche Stadtteileinrichtungen weitervermittelt.

Ergebnisse der Evaluierung
Das Freizeithaus ist bei den meisten Teilnehmer/innen bekannt. Die Einrichtung wird sehr geschätzt. Die Funktion Partyhaus wird von den meisten hervorgehoben, auch Flohmärkte, Mittagstisch und Kinderveranstaltungen sind sehr wichtige Angebote.

Es wurden Angebote (z.B. Kinderkino) nachgefragt, die bereits im Freizeithaus und anderen Einrichtungen laufen. Hier ist zu fragen, wie die Öffentlichkeitsarbeit verbessert werden kann. Bei den Kindern war deutlich spürbar, dass die Vertrautheit mit den MultiplikatorInnen ein wichtiges Element bei der Mitarbeit war.
Potenziale im Hinblick auf Aktivierung und Mobilisierung von Erwachsenen liegen offenbar eher im bereits bestehenden »Dunstkreis« der Einrichtung Freizeithaus, zu dem mehr Frauen als Männer gehören. Auch dies deutet darauf hin, dass Beteiligung vor allem über bereits bestehende Kontakte und Beziehungen erreicht werden kann.

Im Hinblick auf die Beteiligung und Aktivierung der SeniorInnen sind folgende Aspekte erwähnenswert:
Offensichtlich können die SeniorInnen in Kirchdorf-Süd fast nur über aufsuchende Arbeit in »ihren« Räumen erreicht werden. Die Befragung und Beteiligung von älteren MigrantInnen ist auf Grund von Sprachproblemen besonders schwierig.

Im Hinblick auf die Beteiligung und Aktivierung von »Stadtteilprofis« ist folgender Aspekt erwähnenswert: Auch die MitarbeiterInnen anderer Einrichtungen sind, obwohl sie alle im Kontakt mit dem Freizeithaus stehen und dieses regelmässig bei Sitzungen von Gremien und Ausschüssen nutzen, nur schwer zu mobilisieren, sich an der Aktion im öffentlichen Raum zum Thema Freizeithaus zu beteiligen.

Wie bei den erwachsenen BewohnerInnen stellt sich auch hier die Frage, ob eher geringes Interesse, eine Hemmschwelle gegenüber Neuem und Andersartigem oder aber Überlastung als Hauptursache zu bewerten ist.
 Hinsichtlich der Anwendung von PRA in anderen Beteiligungsprozessen oder Einrichtungen der sozialen Arbeit in Hamburg wurde festgehalten:

  • Die beteiligten PRA-ModeratorInnen fühlen sich durch die Erfahrung in Kirchdorf-Süd überwiegend in der Lage, die Methode in anderen Zusammenhängen erneut anzuwenden.
  • Die meisten halten die Methode für eine sehr interessante Ergänzung ihrer sonstigen Kenntnisse über Beteiligungsinstrumente.


Kontakt und Information
Die 39-seitige Dokumentation kann für 1,50 € in Briefmarken angefordert werden beim
Freizeithaus Kirchdorf-Süd
Barbara Kopf
Stübenhofer Weg 11
D-21109 Hamburg
Telefon (0 40) 7 50 73 53, Telefon (0 40) 7 50 73 53

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