Rundbrief Bürgerbeteiligung I/2000
»Aktiv in Kirchdorf-Süd« – PRA in der Praxis (1/2)
Bericht über eine Beteiligungsaktion-Aktion in der Großsiedlung Kirchdorf-Süd, Hamburg-Wilhelmsburg
Eine Zusammenfassung der von Heidrun Gilde (COMO) verfassten Dokumentation von Barbara Kopf und Andreas Libera.
Anlass und Ziele
Die Hamburger Großsiedlung Kirchdorf-Süd mit 2.300 Wohnungen und heute etwa 5.700 Bewoherinnen und Bewohnern entstand Mitte der 70er Jahre auf der Elbinsel Wilhelmsburg in unmittelbarer Nähe zur Autobahn A 1. Bereits nach wenigen Jahren traten städtebauliche Mißstände und soziale Problemsituationen zu Tage, auf die mit verschiedenen Ansätzen, Aktionen und Maßnahmen zur Verbesserung der Wohn- und Lebensbedingungen reagiert wurde. Nach der Bündelung und breiten Abstimmung der verschiedenen »Nachbesserungsansätze« wurde Kirchdorf-Süd 1992 förmlich als Sanierungsgebiet nach dem Baugesetzbuch festgelegt. Die aktive Beteiligung und Mitwirkung der Betroffenen wurde dabei von Beginn an gefordert und praktiziert- sie stellt eine Bedingung für die öffentliche Förderung von Maßnahmen und Projekten dar.
Das in Trägerschaft von Quartier e.V.-Verein für Stadtteil und Arbeit« wirkende »Freizeithaus Kirchdorf-Süd« in Hamburg ist eine im Sanierungsverfahren geförderte Einrichtung, die 1994 auf Grund einer BewohnerInnen-Initiative entstanden ist und seitdem mit wachsendem Erfolg als Partyhaus, Treffpunkt und Stadtteilzentrum genutzt wird. Das Angebot der Einrichtung ist breit gefächert (Gruppen-und Partyräume, Kurse, Kinderangebot, Flohmärkte, Kulturveranstaltungen, Stadtteilrundgänge, Vernetzungsarbeit usw.) und richtet sich in erster Linie an die BewohnerInnen von Kirchdorf-Süd.
Das Freizeithaus hat den Vorsatz, auf neue Entwicklungen und Impulse aus dem Stadtteil flexibel zu reagieren und ist an einer ständigen Weiterentwicklung und Verbesserung seines Angebots interessiert. Um dabei die Interessen und Wünsche der BewohnerInnen zu berücksichtigen, wurde 1999 eine partizipative Evaluierung durchgeführt.
Zum einen ging es um eine Evaluierung des Freizeithaus Kirchdorf-Süd und die Entwicklung neuer Freizeitangebote im Stadtteil. Zum anderen sollten Möglichkeiten und Grenzen einer Aktivierung und Beteiligung der BewohnerInnen von Kirchdorf-Süd ausgelotet werden und zu Schlussfolgerungen über angemessene Formen und Verfahren der Beteiligung führen.
Es wurde davon ausgegangen, dass auch die Menschen in einem Quartier, die überproportinal von Armut und Ausgrenzung betroffen sind, über nicht wenige Potenziale verfügen, mit deren Hilfe, ihre Lebenssituation verbessert werden kann.
Über die Teilnahme und Ausbildung der MultiplikatorInnen und die Erstellung einer Dokumentation sollten andere Einrichtungen in die Lage versetzt werden, zukünftig die Methode in vergleichbaren Evaluierungs- oder Planungsprozessen anzuwenden.
Die Methode Participatory Appraisal (PRA)
PRA ist eine Methode, die nicht von Aussenstehenden durchgeführt wird, sondern die Betroffenen selbst zu Hauptakteuren macht, indem sie sie durch kreative, gestalterische Elemente miteinander in Kontakt bringt und aktiviert. Die Zielgruppen werden dazu angeregt, mit Materialien aus ihrem eigenen Umfeld ihre Interessen, Meinungen und Wünsche darzustellen.
Die bildhafte Gestaltung und die konkreten Ergebnisse fördern die Transparenz und erlauben bereits vor Ort eine gemeinsame Analyse und Bewertung.
PRA wurde unseres Wissens bislang noch nicht in Deutschland angewandt. Die Methode findet eher in Afrika und Südamerika Beachtung.
Durchführung des PRA-Workshops in Kirchdorf-Süd
Angeleitet wurde die Aktion von Heidrun Gilde von COMO. Neun so genannte MultiplikatorInnen wurden von Frau Gilde in die Methode eingearbeitet und unterstützen die BewohnerInnen, die an der Aktion teilnahmen.
Barbara Kopf, die Leiterin der Freizeithauses war bei der Vor-und Nachbereitung sowie der Durchführung der Aktion dabei. Sie organisierte auch die Öffentlichkeitsarbeit und nahm Kontakt zu möglichen Multiplikatorinnen auf.
Die Stadtentwicklungsbehörde Hamburg als verantwortliche Stelle für die Durchführung des Sanierungsverfahrens übernahm die Kosten.
Weitere Artikel in diesem Rundbrief:
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Projektberichte
- Barbara Kopf/Andreas Libera
»Aktiv in Kirchdorf-Süd« – PRA in der Praxis - Michael Stiefel
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