Zum Tode E.O.Müllers Erhard Otto Müller ist am 14. Mai 2008 während einer Dienstreise in der lettischen Hauptstadt Riga gestorben. Sein Tod hat alle, die ihn kannten und die mit ihm zusammenarbeiteten, tief getroffen.
E.O. Müller wurde am 20. März 1955 im westfälischen Bünde als viertes von sechs Geschwistern geboren. Er wuchs auf dem Wittekindshof in Bad Oeynhausen auf. Nach seinem Abitur und einem sozialwissenschaftlichen Studium in Bielefeld lebte und arbeitete E.O. Müller seit 1990 in Berlin.
Die Bürgerbeteiligung und die bürgerschaftliche Selbstorganisation in unserer Gesellschaft zu stärken, war für E.O. Müller leitendes Prinzip seiner Arbeit. Mit leidenschaftlichem Engagement setzte er sich dafür ein, dass bürgerschaftlich Engagierte sich mit ihren Kompetenzen und Erfahrungen in politische Entscheidungsprozesse einbringen und mitentscheiden können. Er verstand es, Menschen zu aktivieren und zu motivieren, sich an der Gestaltung einer zukunftsfähigen Welt zu beteiligen. Die drängenden Fragen einer partizipativen Reform unserer Demokratie ging er mit Offenheit und sozialer Phantasie an.
E.O. Müller verfügte durch seine jahrelange Arbeit über umfassende Kontakte zum gesamten Spektrum der bürgerschaftlich engagierten Szene in der »alten« und »neuen« Bundesrepublik, über vielfältige Verbindungen zu Akteuren der Bürgerbeteiligung sowie zu den einschlägigen Medien. Er hat im Laufe seiner beruflichen Tätigkeiten unzählige Organisationen, Initiativen, Institutionen und Netzwerke im In- und Ausland mit seinem Know-How begleitet und qualifiziert, zahlreiche Podien, Tagungen und Veranstaltungsreihen moderiert und Aufsätze und Artikel in Fachzeitschriften und überregionalen Tageszeitungen veröffentlicht.
* 1990 moderierte E.O. Müller die ersten offiziellen Verhandlungen zwischen den Gruppierungen der Ost-Bürgerbewegung und den West-Grünen zwecks Etablierung einer gemeinsamen Liste zur gesamtdeutschen Bundestagswahl.
* Von 1990–1998 war er verantwortlicher Redakteur des BÜNDNIS 2000 (ab 1994: Forum Bürgerbewegung).
* Zwischen 1994 und 1998 war er Vorstandsmitglied des Berliner Vereins »Haus der Demokratie«.
* Seit 1995 war er verantwortlicher Redakteur des Magazins »Zukünfte – Zeitschrift für Zukunftsgestaltung und vernetztes Denken« und war seit 1996 auch Vorstandsmitglied des dahinter stehenden »Netzwerks Zukunft – Gesellschaft für Zukunftsgestaltung«.
* Seit 1997 war E.O. Müller verantwortlich für die Konzeptionierung und Koordination des »Runden Tischs zur Nachhaltigen Entwicklung in Berlin und Brandenburg« als Dialogforum der gesellschaftlichen Interessengruppen im Rahmen der Agenda 21.
* Im Jahr 1999 war er – gemeinsam mit der Stiftung MITARBEIT, der Aktion Gemeinsinn und der Theodor-Heuss-Stiftung – federführend an der Umsetzung der Kampagne »50 Jahre Grundgesetz – Die Bürgergesellschaft lebt« beteiligt.
* Seit 2002 koordinierte E.O. Müller in Kooperation mit diversen zivilgesellschaftlichen Initiativen und Organisationen die »Bündnisinitiative für einen Bürgerhaushalt in Berlin«.
* Seit 2003 war er Mitglied im Koordinierungsausschuss des »Bundesnetzwerks Bürgerschaftliches Engagement« und Sprecher der Projektgruppe 4 »Perspektiven der lokalen Bürgergesellschaft«.
* Im Jahr 2004 wurde E.O. Müller verantwortlicher Redakteur der von Mehr Demokratie e.V. herausgegebenen »Zeitschrift für Direkte Demokratie«, seit 2006 war er darüber hinaus Mitglied des Bundesvorstands.
* Seit April 2008 arbeitete er für die Stiftung MITARBEIT als Referent für Bürgerbeteiligung und Demokratieentwicklung.
Mit seinem wachen Geist, seinem hintergründigen Humor und seiner Menschlichkeit verstand es E.O. Müller, Menschen für sich und seine Vision zu begeistern. Selbst in kritischen und strittigen Situationen blieb er gelassen und steckte die Menschen mit seiner Fröhlichkeit an. In Konflikten wirkte er ausgleichend und vermittelnd. Ein Vers von Friedrich Schiller, der ihn begleitete, mag seine Sicht auf das Leben verdeutlichen: »Solche wähle zu Begleitern auf des Lebens Bahn, die Dein Herz und Deinen Geist erweitern, Dich ermutigen, erheitern, mit Dir eilen himmelan.«
Wir trauern um einen kämpferischen Streiter für die Demokratie.
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